Gedenken an Ernst Busch 2019

Das diesjährige Gedenken an den Jahrhundert-Sänger und -Schauspieler

Ernst Busch,

stand dieses Jahr unter dem Thema “Solidariät”.

 

“UND WEIL DER MENSCH EIN MENSCH IST

DRUM WILL ER NICHT AUS SEINER WOHNUNG RAUS

DENN WOHNEN IST EIN MENSCHENRECHT

UND HIER BIN ICH ZU HAUS

 

DRUM WEHRT EUCH JETZT, DRUM WEHRT EUCH JETZT

SOLANGE ES NOCH GEHT

WENN IHR ERSTMAL UNTER DEN BRÜCKEN LIEGT

IST ES FÜR DEN KAMPF ZU SPÄT”

(Aus dem Einheitsfrontlied;
Text : Hanns Eisler, Bertolt Brecht Gesang: Ernst Busch)

Zu seinem ehrenden Gedenken legte die Ernst-Busch-Gesellschaft zusammen mit dem Verein der Berliner Künstlerkolonie wie jedes Jahr Blumen an der Gedenktafel seines ehemaligen Wohnhauses in der Bonner Staße 11 nieder und lud zu einer kleinen Performance ein mit Liedern aus dem Repertoire des „Barrikadentaubers“, der mit der bisweilen schneidend scharfen und zum Revoluzzen treibenden, bisweilen ironisierenden, aber auch eindringlich vom Frieden singenden Stimme die sozialen Bewegungen des 20. Jahrhunderts sowohl kommentierte als auch selber prägte.

Danke Ernst Busch !

 

Wahnsinns-Mietenplan gegen den Mieten-Wahnsinn in Berlin! in BZ

Ist das die Rettung der Berliner Mieter vor galoppierenden Wohnkosten? Ab 11. Januar soll der neue Mietendeckel gelten, den Rot-Rot-Grün gerade austüftelt. Danach werden fast alle Wohnungspreise für fünf Jahre eingefroren.

B.Z. erklärt die wichtigsten Eckpunkte des neuen Mietengesetzes, das Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher (57, Linke) dem Senat am 18. Juni vorlegt.

Für welche Wohnungen gilt der Mietendeckel?

Für 1.439.969 Mietwohnungen. Auch für die Bestände der sechs städtischen Gesellschaften, bei denen es ohnehin schon eine Art Deckel gibt (derzeit maximal plus 2 Prozent Erhöhung/Jahr). Nicht betroffen: Rund 98.260 Sozialwohnungen und weitere 95.600 Wohnungen, die anderen Mietpreis- und Belegungsbindungen unterliegen.

Mieterhöhungen sind bei Umzügen künftig ausgeschlossen. Die neuen Bewohner müssen nur noch das zahlen, was schon von ihren Vorgängern kassiert wurde (Foto: Friedberg - stock.adobe.com)
Mieterhöhungen sind bei Umzügen künftig ausgeschlossen. Die neuen Bewohner müssen nur noch das zahlen, was schon von ihren Vorgängern kassiert wurde (Foto: Friedberg – stock.adobe.com)

Was bedeutet dieses Mietenmoratorium?

Fünf Jahre dürfen die Mieten nicht erhöht werden.

Und wenn Mieter schon viel zahlen?

Mieter können eine Überprüfung beantragen, ob ihre Miete tatsächlich zu hoch ist. Wenn ja, kann ihre zu hohe Miete durch ein Absenkungsbegehren auf die zulässige Miete reduziert werden. Die erlaubte Miete wird man in einer Tabelle ablesen können, die nach Baualtersstufen und Wohnungs-Größe unterscheidet. Diese Tabelle wird sich an einem Zeitpunkt orientieren, zu dem der Berliner Markt noch nicht verrückt spielte (wahrscheinlich 2013).

Alt- neben Neubau in Prenzlauer Berg: Wer umzieht, soll in Zukunft höchstens die Miete des Vormieters bezahlen müssen. Wohnungsneubau, der noch nicht vermietet wurde, ist ausgenommen. (Foto: picture-alliance)
Alt- neben Neubau in Prenzlauer Berg: Wer umzieht, soll in Zukunft höchstens die Miete des Vormieters bezahlen müssen. Wohnungsneubau, der noch nicht vermietet wurde, ist ausgenommen. (Foto: picture-alliance)

Was zahlt man, wenn man umzieht?

Es darf in der neuen Wohnung höchstens die zuletzt vereinbarte Miete verlangt werden – also die des Vormieters. Dabei dürfen aber die Werte aus der Tabelle nicht überschritten werden.

Und wenn es eine Neubauwohnung ist?

Wohnungsneubau, der noch nicht vermietet wurde, ist ausgenommen.

Können Modernisierungen die Mieten noch nach oben treiben?

Ja. Die Vermieter müssen allerdings ihre Pläne bei der Investitionsbank (IBB) anzeigen, bzw. genehmigen lassen. Bei einer Steigerung der monatlichen Bruttowarmmiete um 50 Cent/m² reicht eine Meldung. Allerdings muss ein Sachverständiger die geplante Einsparung von Betriebskosten nachweisen.

Mieten und Wohnungspreise sind in den letzten Jahren in Berlin stark gestiegen – viele Mieter haben Angst, ihre Wohnung zu verlieren (Foto: picture alliance / Wolfram Steinberg)
Mieten und Wohnungspreise sind in den letzten Jahren in Berlin stark gestiegen – viele Mieter haben Angst, ihre Wohnung zu verlieren (Foto: picture alliance / Wolfram Steinberg)

Bei größeren Maßnahmen mit höher geplanten Umlagen muss eine Genehmigung eingeholt werden. Sie ist zu erteilen, wenn z.B. energetische Maßnahmen gesetzlich vorgeschrieben sind, Barrieren in Wohnungen gemindert werden oder schlechter Standard wie Außentoiletten beseitigt werden.

Wie ergeht es Vermietern, die mit den eingefrorenen Mieteinnahmen ihre Kosten nicht mehr decken können?

Die IBB überprüft auf Antrag wirtschaftliche Härtefälle. Bei einer wirtschaftlichen Unterdeckung können im Einzelfall Erhöhungen genehmigt werden. Den betroffenen Mietern wird ein Ausgleich gezahlt (wenn sie WBS-berechtigt sind).

Auch Vermieter haben steigende Kosten – was ist mit einem Inflationsausgleich?

Ein solcher Ausgleich des Kaufkraftverlustes wird noch diskutiert. Aber dann würden die Mieten eben weiter steigen. Ein rigoroses Einfrieren hat aus Senatssicht den Vorteil, dass die Einkommen den Rückstand zur Mieten-Entwicklung aufholen könnten.

Was passiert mit Vermietern, die sich nicht an den Deckel halten?

Das sind Ordnungswidrigkeiten, die mit bis zu 500.000 Euro bestraft werden. Bei Verdacht eines Verstoßes können Mieter ihre Vermieter bei der IBB anzeigen

Werden Vermieter jetzt noch ganz schnell Mieterhöhungen schicken?

Das wird knapp! Das Gesetz soll rückwirkend, zum Datum des Senatsbeschlusses gelten – das wäre der 18. Juni. Nach Beratungen im Parlament soll es am 11. Januar 2020 in Kraft treten.

Könnten Klagen das neue Mietengesetz verzögern?

Wohnungsexpertin Katrin Schmidberger (36, Grüne) zur B.Z: „Man muss unterscheiden: Sollte es direkt Verfassungsbeschwerden gegen das Gesetz geben, hätten die keine aufschiebende Wirkung, es sei denn, das Gericht ordnet dies an. Soweit es zu Gerichtsverfahren über die Gültigkeit des Gesetzes kommt – z.B. Mieter-Vermieter-Streit –, könnte das angerufene Gericht einem Verfassungsgericht die Frage zur Prüfung vorlegen. Andere Richter könnten gleichgelagerte Prozesse dann auch auf Eis legen. Außerhalb der betroffenen Gerichtsverfahren gilt das Gesetz dann aber weiter.“


„Mit Lompschers Eckpunkten gehen wir geradewegs in die Planwirtschaft“

► Maren Kern (61, Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen): „Wir halten einen Mietendeckel mit den vorliegenden Eckpunkten für verfassungsrechtlich höchst bedenklich. Daneben gibt es aber auch noch weitere zentrale Fragen: Soll es auch einen Baupreisstopp geben, damit Instandhaltungsinvestitionen trotz eingefrorener Mieten finanzierbar bleiben? Wie soll vermieden werden, dass immer kompliziertere Verfahren notwendige energetische Modernisierung behindern?“ Wichtiger aus ihrer Sicht:  Erschweren der Umwandlung von Miet- in Eigentumswohnungen, ein Kündigungsschutz für Seniorinnen und Senioren, mehr Schutz vor Luxusmodernisierungen oder höhere Hürden für Eigenbedarfskündigungen.

► Beatrice Kramm (53, IHK-Chefin): „Abgesehen von den rechtlichen Fragen sind die geplanten Regulierungen viel zu undifferenziert, weil sie unabhängig von Lage, aktueller Miethöhe und Zustand der Immobilie alle Vermieter unterschiedslos über einen Kamm scheren. Gut gemacht wäre, neue Wohn- und Gewerbeflächen zu erschließen und den Bau preiswerter Wohnungen auch durch Private zu ermöglichen.“

► Jan-Marco Luczak (43, CDU-Bundestagsabgeordneter): „Der Mietendeckel würde alle Anstrengungen in Sachen Klimaschutz torpedieren. Hier werden riesige Hürden aufgebaut, wenn alle Modernisierungen künftig angezeigt werden und mit einem Gutachten  die Einsparung von Betriebskosten belegt werden müssen. Mit Lompschers Eckpunkten gehen wir mit dem Wohnungsmarkt geradewegs in die Planwirtschaft, Mieten werden staatlich festgesetzt, staatlich überwacht und Vermieter kriminalisiert.“

► Sibylle Meister (56, FDP-Finanzexpertin): „Die Stadt braucht eine mietensenkende Neubau-Offensive, die durch einen Mieten-TÜV, ein Baulückenregister, schneller Baugenehmigungen und Ausweitung des Dachgeschossausbaus vorangetrieben und unterstützt wird.“


Das sagt der Mieterverein

Reiner Wild (64), Berliner Mieterverein (Foto: picture-alliance)
Reiner Wild (64), Berliner Mieterverein (Foto: picture-alliance)

Rainer Wild (64), Berliner Mieterverein:„Ein öffentlich-rechtlicher Mietpreisdeckel ist eine klare Stärkung des Mieterschutzes. Er wird, von den ersten Vermieter-Angriffen abgesehen, langfristig auch die Justiz entlasten. Aber bei der Ausgestaltung des Mietendeckels sollte nicht das letzte Wort gefallen sein. Wir werden alsbald ein eigenes Modell vorstellen, das auf Obergrenzen, differenziert nach Baualter und Größe basiert. Diese werden dann auch bei Wiedervermietung gelten. Auch für die Mietsteigerung nach einer energetischen Modernisierung soll es eine Beschränkung geben, die einerseits den verbesserten Klimaschutz ermöglicht, aber eine Verdrängung der Bewohner verhindert.“

Das sagen die Vermieter

Dieter Blümmel (71), Haus und Grund (Foto: Siegmund)
Dieter Blümmel (71), Haus und Grund (Foto: Siegmund)

Dieter Blümmel (71), Haus und Grund: „Aus unserer Sicht hat das Land keinerlei Gesetzgebungskompetenz in dieser Frage. Die Regelungen zu Mieterhöhungen finden sich ausschließlich im Bürgerlichen Gesetzbuch – und das ist Bundesgesetzgebung. Berlin wird spätestens in Karlsruhe damit scheitern, rechtzeitig vor der nächsten Berliner Wahl. Abgesehen davon würde die jetzt geplante Vorgehensweise tendenziell Vermieter mit hohen Mieten begünstigen und solche, die die Kirche im Dorf gelassen haben, bestrafen. Mir ist schleierhaft, wie wir künftig die Investitionen für Klimaschutz und altersgerechte Investitionen erwirtschaften sollen.“


Steinmeier: „Wohnungsmarkt ist kein Casino“ 

Mehr bezahlbaren Wohnraum in den Städten hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (63) angemahnt. „Wohnen ist eine Existenzfrage für jeden Einzelnen und für den Zusammenhalt der Gesellschaft. Wir müssen verhindern, dass unsere Städte zum sozialen Kampfplatz um das Wohnen werden“, sagte Steinmeier am Mittwoch beim Deutschen Städtetag in Dortmund.

 Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (Foto: picture alliance/dpa)
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (Foto: picture alliance/dpa)

Polizisten, Erzieherinnen, Busfahrer oder Pfleger, die die Städte am Leben hielten, müssten dort auch leben können. Steinmeier forderte Mieten um die sechs Euro – statt nur jenseits der 16 Euro pro Quadratmeter: „Der Wohnungsmarkt ist kein Casino.“ Das Vertrauen in die soziale Marktwirtschaft und die Politik schwinde, wenn Normalbürger sich keine normale Wohnung mehr leisten könnten. Der Deutsche Mieterbund hat sich für ein Grundrecht auf bezahlbares Wohnen ausgesprochen.


Gewobag übernimmt 517 Wohnungen in Kreuzberg

Das landeseigene Wohnungsbauunternehmen Gewobag übernimmt 517 Wohnungen an der südlichen Friedrichstraße (Kreuzberg), um bezahlbare Mieten zu gewährleisten. Zuvor hatte es Gerüchte gegeben, das umstrittene Immobilienunternehmen Deutsche Wohnen wolle die zwei Blöcke kaufen. Mieter protestierten.

Der zuständige Baustadtrat Florian Schmidt (44, Grüne): „Wir haben über Vorkauf, Abwendung und Ankauf zirka 2500 Wohnungen gesichert, das sind rund 3 Prozent des Mietwohnungsbestandes im Bezirk.“ Ziel sei, den Bestand von aktuell insgesamt 27 auf über 50 Prozent zu erweitern.

Profitmaximierer oder verantwortungsvolle Vermieter?

Große Immobilienunternehmen mit mehr als 3.000 Wohnungen in Berlin im Profil

Diese Kurzstudie liefert Hintergrundinformationen zu den Eigentümern und den Geschäftspraktiken der Unternehmen, die in Berlin mehr als 3.000 Wohnungen besitzen und damit von dem Volksentscheid «Deutsche Wohnen & Co. enteignen» betroffen wären. Die Informationen stammen ausschließlich aus öffentlich verfügbaren Quellen – vor allem aus Jahresabschlüssen, Firmenregistern und Internetportalen – und erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Sie enthalten unter anderem die folgenden Erkenntnisse für die weitere Debatte:

  • Die Liste der Unternehmen
  • Die Eigentümer
  • Die steuerliche Perspektive
  • Die Berliner Wohnungsbestände
  • Mieten und Mietsteigerung
  • Luxusmodernisierung und Vernachlässigung
  • Das Geschäftsführergehalt als Näherungswert für Renditeorientierung
  • Rendite aus Aktionärssicht

Diese Publikation ist im Arbeitszusammenhang «RLS-Cities – Rebellisch, Links, Solidarisch» der Rosa-Luxemburg-Stiftung entstanden.

Sophie Bonczyk ist Masterstudentin der Wirtschaftsinformatik an der Humboldt-Universität zu Berlin mit Schwerpunkt «Data Analytics». Ihr Interesse am Berliner Immobilienmarkt wurde durch die Neubauplanung am Checkpoint Charlie geweckt, gegen die sie sich in der «Initiative Checkpoint Charlie erhalten» engagiert hat. Dabei konnte sie Einblicke in die verschachtelten Eigentümer- und Beteiligungsstrukturen der Immobilienbranche gewinnen, die nach ihrer Ansicht den gesamtgesellschaftlichen Interessen zuwiderlaufen. 

Christoph Trautvetter ist Public-Policy-Experte und Unterstützer des Netzwerks Steuergerechtigkeit. Er arbeitet daran, die Mehrheit der ehrlichen Steuerzahler*innen und Mieter*innen gegen die Minderheit der Steuervermeider*innen, aggressiven Immobilieninvestor* innen und Profiteur*innen von illegitimen Finanzströmen zu mobilisieren. Er hat unter anderem als forensischer Sonderprüfer für die KPMG AG, im Haushaltausschuss des Europaparlaments und als Fellow bei Teach First Deutschland gearbeitet. Christoph Trautvetter hat einen Master of Public Policy von der Hertie School of Governance und einen Bachelor of Arts (Philosophy & Economics) von der Universität Bayreuth.

Berlin-Friedenau – Nachbarn protestieren mit Hausbesetzung gegen Leerstand

Berlin-FriedenauNachbarn protestieren mit Hausbesetzung gegen Leerstand

Aus Protest gegen den langjährigen Leerstand eines großen Altbaus in Berlin-Friedenau hat eine Gruppe das Haus kurzzeitig besetzt. Die Aktion war offenbar eher symbolisch. Etwa zehn Menschen aus der Nachbarschaft seien am Freitagmittag für eine halbe Stunde in das Haus eingedrungen, sagte ein Mitglied der Gruppe. Sie hätten Transparente aufgehängt, hieß es weiter. Die Aktion sei bewusst am “Tag des Nachbarn” gestartet worden. 

Die Polizei war vor Ort. Sie sprach jedoch gegenüber rbb|24 nicht von “Besetzung”, sondern von Personen, die in das Haus an der Ecke Stubenrauch-/Odenwaldstraße  eingedrungen seien. 

Symbolische Besetzung eines in der Stubenrauchstraße (Quelle: rbb)
Das Haus Stubenrauch-/Odenwaldstraße in Friedenau bei der Kurz-Besetzung | Bild: rbb

Kritik: Seit 16 Jahren Leerstand

Die Protestierer haben das Haus nach eigenen Angaben wie geplant freiwillig wieder verlassen. Die Polizei sagte, zum Teil seien die Personen auch aus dem Haus geführt worden. Es sei jedoch alles friedlich verlaufen, so der Sprecher. Dennoch seien Ermittlungen wegen Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz und wegen Hausfriedensbruchs aufgenommen worden. Die Person, der das Haus gehöre – wobei nach Polizeiangaben unklar ist, ob es sich um einen Mann oder eine Frau handelt – hätten sie zunächst nicht erreichen können. 

Die Protestierer kritisierten, dass das Haus mit 16 Wohnungen seit vielen Jahren leer stehe und verfallen würde. Die Besitzerin, ihren Angaben zufolge eine alte Frau, sei überfordert und lasse das Gebäude weder sanieren noch verkaufe sie es. Der Bezirk Tempelhof-Schöneberg müsse endlich aktiv werden und das Haus unter Zwangsverwaltung stellen, um es vor dem endgültigen Verfall zu retten, so die Forderungen der Nachbarn.

 

Nicht nur das Haus an der Ecke Stubenrauch-/Odenwaldstraße steht trotz der Wohnungsnot in der Stadt leer – dieses Phänomen ist in Berlin bei Dutzenden von Wohnungen und Häusern zu beobachten. In einer internen Erhebung der Stadtentwicklungsverwaltung, in der die Bezirke gebeten wurden, sogenannte Schrottimmobilien zu melden, kamen nach rbb-Informationen aus dem September 2018 insgesamt 75 Häuser zusammen, die leer stehen, verfallen oder mit illegalen Mietern oft überbelegt sind. Eine systematische Erfassung des Leerstandes oder der Überbelegung existierte damals jedoch nicht.

Dabei muss Leerstand beantragt werden – etwa wenn eine Modernisierung ansteht, wenn Wohnraum abgerissen werden soll oder es sich um eine Ferienwohnung handelt. So will es das Gesetz, das die Zweckentfremdung von Wohnraum verbietet. Doch wenn ein solcher Antrag nicht erfolgt, werden Häuser offenbar behördlich nicht erfasst – oder nur nach Hinweisen aus der Bevölkerung.

Gegen Hausbesitzer vorzugehen, die ihre Immobilie über Jahre verwahrlosen lassen, ist für die Verwaltungen meist sehr aufwändig und oft nicht von Erfolg gekrönt. So war es etwa bei einem Haus am Hindenburgdamm in Steglitz. Gegen den Eigentümer, der es seit mehr als 15 Jahren verfallen lässt, wurde ein Bußgeld von 187.000 Euro verhängt. Ein Gericht verringerte dieses auf 15.000 Euro – das Haus verfällt weiter. 

Sendung: Abendschau, 24.05.2019, 19:30 Uhr

 

© Rundfunk Berlin-Brandenburg

Hausbesetzung in Friedenau

Liebe Mitglieder und Unterstützende,

es ist passiert und gut verlaufen: ca 10 Frauen (und Atze als einziger Mann) haben das Leerstandshaus um 15 Uhr besetzt, viele schöne Transparente rausgehängt und “Sag mir quando” getönt. Die NachbarInnen, die es sich am Bauzaun bei Kaffee und Kuchen gut gehen ließen, waren begeistert und riefen Sprechchöre. Nach 1/2 Std. erschienen 2 kleine Polizeiautos mit 3 Polizistinnen(!), des weiteren ein größeres und dann 2 Wannen. (Vermutlich hat die Nachbarin aus dem Hinterhof sie gerufen. Frau G. war nicht vor Ort und auch die Polizei konnte sie nicht erreichen.)

Mary sprach als “Polizeibeauftragte” mit einigen Polizisten, wusste von nichts und wurde dann in Ruhe gelassen. Die Haus-Frauen verließen das Haus unbemerkt und mischten sich wieder unter die Nachbarschaft.

Die  letzten 3 wurden beim Verlassen des Hauses beobachtet und mussten ihre Personalien offenbaren. Danach durchsuchten Polizisten das Haus offensichtlich nach weiteren BesetzerInnenn und entfernten dann gegen 16:30 die Transparente.

Eine Spontan-Demo wollten sie das Ganze nicht nennen, aber auf eine Anzeige wegen unangemeldeter Versammlung verzichteten sie, weil wir schon am Aufräumen waren. So gingen wir friedlich auseinander und ließen das Fest im Amacord ausklingen.

Große Unterstützung und ein außergewöhnlicher Kuchen kamen von der “Antifa” (wie Julius sie nannte), die zahlreich erschienen warund offensichtlich viel Spaß hatte an der Aktion.

Pressevertreter waren da vom Info-Radio und der Abendschau, sowie vom Neuen Deutschland.

Telefonisch interessierten sich die dpa, Eva Noetzel von der Berliner Woche und der Tagesspiegel. Mal sehen, was da noch – außer dem kurzen Abendschaubericht – medial rüberkommt.

Die Aktivistinnen sind heute abend zufrieden und müde, glaube ich. Es war eine runde Sache: total aufregend, machte Spaß und war erfolgreich. Erstaunlich, was wir so auf die Beine stellen!

Erfreut Euch an den Fotos und teilt Eure Reaktionen mit uns.

Herzlich grüßt Euch Ingrid

Künstlerkolonie verliert ihre Mieter in Berliner Abendblatt

 

Steigende Mietkosten verändern die Bewohnerschaft am Breitenbachplatz.

Die Wilmersdorfer Künstlerkolonie ist seit jeher Herberge für Künstler und Kulturschaffende aus ganz Berlin. Doch immer mehr von ihnen können sich die Mieten in der Siedlung am Breitenbachplatz nicht mehr leisten. Von den einst mehr als 300 Kunstschaffenden sind heute nur noch knapp 150 geblieben. Grund für den rasanten Anstieg der Mieten sind unter anderem Sanierungen, die der aktuelle Vermieter, die Vonovia SE, in den vergangenen Monaten durchführen ließ. Noch 2015 hieß es in einer Pressemitteilung der ohnehin umstrittenen Eigentümergesellschaft zum historischen Ort in Wilmersdorf: „Mieterwechsel gibt es kaum: Wer hier einzieht, der bleibt gerne.“ Das scheint sich in den vergangenen vier Jahren geändert zu haben.

Auf die Umstrukturierung der Mieterschaft reagiert nun auch das Bezirksamt. Bevor Berlin eine kulturpolitisch so wichtige Struktur verliere, erklärt Baustadtrat Oliver Schruoffeneger (Grüne) auf Anfrage, müsse schnell gehandelt werden. „Wir würden diese Struktur gerne erhalten und zu einem Wohnort machen, an dem ältere erfahrene Künstler und junge Künstler gemeinsam Wohnen und das Quartier gestalten. Der Rückkauf dieser Wohnungen für das Land Berlin wäre auch notwendig, um in diesem Ortsteil ein Quartier mit mietpreisdämpfender Wirkung und somit positiver Auswirkung auf den Mietspiegel dauerhaft zu sichern.“ 1994 waren die 700 Wohnungen der Künstlerkolonie von der landeseigenen Gehag veräußert worden. Nun will die Stadt das Areal zurückkaufen. Dafür muss Vonovia aber auch bereit sein, diesen Kauf einzugehen. Danach sieht es derzeit noch nicht aus.

Lange Geschichte

Die Geschichte des Kulturareals geht bis auf das Jahr 1926 zurück. Damals kauften die „Berufsgenossenschaft deutscher Bühnenangehöriger“ und der „Schutzverband deutscher Schriftsteller“ das Grundstück zwischen der Laubenheimer Straße und Breitenbachplatz und gründeten gleichzeitig die „Gemeinnützigen Heimstätten m.b.H. Künstlerkolonie“ (Gehag). Ziel war es immer, vor allem gemeinschaftliches Wohnen zu fördern und Kulturschaffenden im Bezirk einen festen Ort zum Wohnen und Arbeiten zu geben. Hohe Wohnqualität zu erschwinglichen Preisen war ein weiteres Ziel der Genossenschaften. Davon ist die Künstlerkolonie heute aber weit entfernt.

Datum: 12. Mai 2019, Text: Katja Reichgardt, Bild: iStock / Getty Images Plus/ Oleg Elkov